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Ratgeber 5 Min. Lesezeit

Elektroinstallation im Ruhrgebiet

Viele Häuser in Essen, Dortmund oder Duisburg laufen noch mit der Elektrik aus Baujahr.

Michael Friedrichs

Michael Friedrichs

Inhaber · Elektromeister

Alter geöffneter Zählerschrank im Keller mit veralteter Verdrahtung und blanken Kupferkontakten

Viele Häuser in Essen, Dortmund oder Duisburg laufen noch mit der Elektrik aus Baujahr. Die Anlage war für wenige Lampen und ein Radio ausgelegt, heute hängen Wärmepumpe, Wallbox und Homeoffice daran. Wer hier saniert und typische Elektroinstallation Fehler wiederholt, zahlt doppelt: erst für das Provisorium, dann für Brandfolgen oder die verweigerte Inbetriebnahme durch den Netzbetreiber.

Die selbst-contained Antwort vorweg: Im Westnetz-Gebiet scheitern Sanierungen am häufigsten am Zählerschrank. Seit der TAB 2018 verlangt Westnetz ein RFZ-Feld für Zusatztechnik, ohne das keine Inbetriebnahme erfolgt.[5][6] Dazu kommen Klassiker aus dem Bestand: zu wenige Stromkreise, fehlender FI-Schutz und keine Leerrohre für Photovoltaik oder Wallbox.[1][2]

Warum die Elektrosanierung im Revier dringlich ist

Im Ruhrgebiet dominieren Nachkriegsbauten der 1950er- bis 1970er-Jahre, deren Elektroinstallation oft nie grundlegend erneuert wurde.[4] Die 2024 beschriebene Bestandsaufnahme aus der Region nennt Stoff- und Gummiisolierungen, Aluminiumleitungen und Zweileiter-Systeme ohne Schutzleiter als typischen Befund.[5]

Elektroinstallationen gelten nach rund 30 bis 40 Jahren als sanierungsbedürftig.[4][9] Isolierungen werden brüchig, Klemmstellen lockern sich, Leitungsquerschnitte reichen für heutige Lasten nicht mehr.

Brandgefahr durch veraltete Technik

Veraltete Anlagen verursachen Schwelbrände hinter Putz und in Hohlwänden. Die Auswertung von Schadensfällen ordnet rund 30 % aller Wohnungsbrände elektrischen Defekten zu, mehr als 60 % davon gehen auf veraltete Installationen zurück.[2]

Konkret führen drei Mechanismen zum Brand:

  • brüchige Isolierung: Risse in alter Gummi- oder Stoffummantelung legen Kupfer frei[4][7]
  • Überlast: ein Stromkreis versorgt Küche, Waschmaschine und Heizlüfter gleichzeitig[1][2]
  • Übergangswiderstände: oxidierte Alu-Klemmen erhitzen sich unter Last[2][7]

Haftung und Versicherungsschutz

Eigentümer und Vermieter trifft die Verkehrssicherungspflicht nach § 823 BGB, Stand 2026 unverändert. Sie müssen die Elektroanlage in sicherem Zustand halten und Mängel beseitigen lassen.[2]

Fehlt im Schadenfall ein aktuelles Prüfprotokoll, etwa ein E-Check, droht der Regress der Gebäudeversicherung.[2] Das Protokoll dokumentiert Leitungszustand, Schutzmaßnahmen und Einhaltung der DIN VDE-Bestimmungen und dient als Planungsgrundlage für die Sanierung.[2][4]

Die 7 häufigsten Fehler bei der Elektrosanierung

Die folgende Liste fasst Befunde aus Sanierungsratgebern der Jahre 2024 bis 2025 zusammen. Jeder Punkt lässt sich mit Planung und Fachbetrieb vermeiden.[1][2][3]

Fehlende Planung ohne Raumbuch

Ohne Raumbuch sitzen Steckdosen hinter Schränken und Schalter auf der falschen Türseite.[3] Die Empfehlung aus der Planungspraxis: Raum für Raum festlegen, wo Bett, Schreibtisch, TV-Wand und Küchengeräte stehen, inklusive Ladeplätzen und Homeoffice.[1][3]

Praxis-Tipp für den Bestand:

  • Lichtschalter auf 105 cm, Steckdosen im Wohnraum auf 30 cm, am Arbeitsplatz auf Tischhöhe planen
  • jede geplante Nutzung in einer Zeile notieren: Gerät, Leistung, Anschlussart

Zu wenige Steckdosen und Stromkreise

Ein Stromkreis je Raum reicht für heutige Haushalte nicht.[1] Die Küche braucht allein 5 bis 8 separate Stromkreise, Herd, Geschirrspüler, Kühlschrank und Waschmaschine jeweils einzeln abgesichert.[2]

Wer Dosen spart, provoziert Mehrfachstecker-Türme. Diese sind nur für kurzzeitigen Betrieb gedacht und überhitzen bei Dauerlast.[1][4]

Zu klein dimensionierte Unterverteilung

Ein Sicherungskasten auf Ist-Stand lässt keinen Platz für Photovoltaik, Wärmepumpe oder Wallbox.[5] Die in Sanierungsleitfäden genannte Reserve liegt bei mindestens 30 % freien Plätzen im Zähler- und Verteilerschrank.[6]

Fehlender FI-Schutzschalter

In vielen Altbauten fehlt der Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD). Er trennt den Stromkreis bei Fehlerstrom in Millisekunden und schützt vor lebensgefährlichem Stromschlag.[2][8]

Heute sind RCDs mit 30 mA Bemessungsfehlerstrom für Steckdosenstromkreise und das Bad Pflicht.[2][8] Die Nachrüstung gehört zur Teilsanierung, nicht erst zum Neubau.

Keine Vorsorge für Photovoltaik und Wallbox

Leerrohre vom Technikraum zum Dach, zur Garage und in Wohnräume kosten im offenen Bauzustand wenig und ersparen späteres Aufstemmen.[5] Verzichten Sie darauf, blockieren Sie Glasfaser, LAN und die Leitungen für PV und Wallbox für die nächsten 20 Jahre.[2][5]

Unterschätzter Überspannungsschutz

Überspannungen wandern über das Netz über Kilometer und zerstören Fernseher, Router und Heizungssteuerung.[1] Ein mehrstufiges Schutzkonzept aus Typ 1+2 im Zählerschrank und Typ 3 am Endgerät ist bei Neuinstallation nach DIN VDE vorgesehen.[2]

Eigenleistung am offenen Verteiler

Rund 40 % der Stromunfälle in Deutschland gehen auf unsachgemäße Arbeiten an Elektroanlagen zurück.[8] Nach § 13 Niederspannungsanschlussverordnung, geltende Fassung mit Stand 2026, dürfen Arbeiten an der Anlage nur durch eingetragene Fachbetriebe erfolgen.[2]

Eigenleistung kostet zusätzlich den Versicherungsschutz und führt bei Mängeln zur Haftung des Eigentümers.[8]

Sanierung in drei Stufen: was Ihr Haus braucht

Der E-Check vorab klärt, welche Stufe passt. Geprüft werden Leitungen, Schutzleiter, Isolationswiderstand und Funktion der Schutzeinrichtungen nach DIN VDE.[2][9]

StufeBefundMaßnahme
1 Komplett-ErneuerungStoff-/Gummiisolierung, Alu-Leiter, klassische Nullung ohne Schutzleiteralle Leitungen, Dosen und Verteiler neu[2][5]
2 TeilsanierungRohinstallation ab späten 1980ern intakt, aber kein FI, alte VerteilerVerteiler mit RCD, Bad und Küche neu[2]
3 FeininstallationLeitungen und Verteiler in OrdnungSchalter, Steckdosen, Abdeckungen tauschen[2]
Sanierungsstufen im Altbau
Sanierungsstufen im Altbau

Der E-Check als Fundament

Das Ergebnis ist ein rechtssicheres Protokoll für Versicherung und Planung.[2][4] Es listet Mängel nach Priorität und bildet die Basis für Raumbuch, Stromkreisliste und Angebot. Ohne diesen Befund planen Betriebe ins Blaue.[2][9]

Regionale Besonderheit: Westnetz-TAB und RFZ-Feld

Im größten Teil des Ruhrgebiets betreibt Westnetz das Verteilnetz. Dessen Technische Anschlussbedingungen (TAB), Ausgabe 2018 mit späteren Ergänzungen, sind für jeden Netzanschluss bindend.[5][6]

Die Suchanfrage rfz feld pflicht trifft genau diese Lücke: Viele Ratgeber behandeln FI und Leitungen, aber nicht die regionale Vorgabe zum Zählerplatz. Die Antwort lautet: Ja, im Westnetz-Gebiet ist das RFZ-Feld Pflicht. Ohne diesen Freiraum erfolgt keine Inbetriebnahme.[5][6]

Die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100, Ausgabe 2019 mit Stand 2026, verlangt Platz für intelligente Messsysteme und Steuertechnik. Das RFZ-Feld setzt das im Schrank um.[5][6]

Was das RFZ-Feld ist

RFZ steht für Reservefläche für Zusatztechnik. Es handelt sich um einen definierten Raum im Zählerschrank für Smart-Meter-Gateway, Rundsteuerempfänger oder zusätzliche Zähler für Photovoltaik.[5][6]

Fehlt das Feld im Altbau-Schrank, verlangt Westnetz Nachrüstung oder Schranktausch. Eine Installation ohne Abstimmung führt zu kostenpflichtigen Nachbesserungen.[5][6]

So planen Sie das Feld korrekt ein

Der Schrank muss DIN VDE 0603-3 und der Westnetz-TAB entsprechen. In der Praxis bedeutet das:

  • Position: RFZ-Feld direkt neben dem Zählerplatz, mit Daten- und Spannungsversorgung vorbereitet
  • Größe: Herstellerfeld für 300 mm Breite einplanen, nicht mit Reiheneinbaugeräten zustellen
  • Abstimmung: Schrankkonzept vor Bestellung mit dem eingetragenen Betrieb und Westnetz klären[5][6]

Der Zählerschrank nach TAB: Aufbau und Fehlerquellen

Der Zählerschrank gliedert sich in Anschlussraum, Zählerplatz, RFZ-Feld und Verteilfeld. Jede Zone hat eigene Anforderungen an Verdrahtung, Trennvorrichtung und Berührungsschutz.[6]

Drei Fehler treten bei Sanierungen im Revier wiederholt auf:

  • zu kleine Baugröße: einreihiger Schrank ohne Reserve für Wärmepumpe und Wallbox[5][6]
  • fehlende Trennvorrichtung: kein selektiver Haupt-Leitungsschutzschalter vor dem Zähler[6]
  • Mängel bei Beschriftung und Einbauort: Stromkreise nicht zugeordnet, Schrank in Fluchtweg oder Feuchtraum[3][6]

Mindestanforderungen einhalten

Fragen Sie den Betrieb nach TAB-Konformität, nicht nur nach Preis. Zum Nachweis gehören Schaltplan, Stromkreisliste und Fotos vom verdrahteten Schrank.[2][6] Lassen Sie sich bestätigen, dass Zählerplatz, RFZ-Feld und Überspannungsschutz nach TAB und VDE-AR-N 4100 ausgeführt sind.

Spezielle Anforderungen für Küche, Bad und Außenbereich

Küche, Bad und Garten verursachen die meisten Nachträge, weil sie erst spät geplant werden. Hier gelten eigene Normen.[1][2][10]

Küche als Energiezentrum

Planen Sie Drehstrom 400 V für den Herd und je einen eigenen Stromkreis für Geschirrspüler, Backofen, Kühlschrank und Waschmaschine.[1][2] Steckdosen über der Arbeitsplatte gehören auf einen FI-geschützten Kreis mit ausreichendem Querschnitt.

Schutzbereiche im Bad

DIN VDE 0100-701, geltende Fassung mit Stand 2026, definiert die Schutzzonen 0, 1 und 2 um Wanne und Dusche. In Zone 0 und 1 sind Steckdosen und Schalter unzulässig.[2][5]

Alle Stromkreise im Bad brauchen 30 mA RCD-Schutz.[2][8] Spiegelschrank, Handtuchtrockner und Waschmaschine erhalten eigene Zuleitungen, Lüfter und Fußbodenheizung werden über getrennte Kreise geführt.

Außeninstallation nicht vergessen

Steckdosen und Leuchten im Freien brauchen passende IP-Schutzarten gegen Strahl- und Spritzwasser sowie UV-beständige Leitungen.[1][10] Legen Sie bei der Sanierung gleich Zuleitungen für Gartenbeleuchtung, Elektrogrill und Terrasse in Leerrohren nach draußen.

Checkliste für die Sanierung im Ruhrgebiet

Diese Liste bündelt Bestandsaufnahme, Netzabstimmung und Abnahme. Sie ersetzt keine Fachplanung, verhindert aber die häufigsten Stopps bei Westnetz.[2][5][6]

Vor der Sanierung

Dokumentieren Sie Baujahr, letzte Erneuerung und Fotos von Verteilern und Zähler. Erstellen Sie das Raumbuch und lassen Sie den E-Check durchführen.[2][4]

Während der Sanierung

Beauftragen Sie einen Betrieb, der die Westnetz-TAB kennt. Lassen Sie Zählerschrank mit RFZ-Feld, Überspannungsschutz und Leerrohre für Photovoltaik, Wallbox und Glasfaser in einem Zug ausführen.[5][6]

Nach der Sanierung

Bewahren Sie Prüfprotokoll, Stromkreisliste und E-Check-Dokumentation auf und melden Sie die Modernisierung der Gebäudeversicherung.[2]

  • E-Check mit Protokoll beauftragen und Mängelliste nach Priorität sortieren
  • Raumbuch je Raum mit Geräten, Leistung und Steckdosenposition erstellen
  • Zählerschrank mit RFZ-Feld nach Westnetz-TAB vorab abstimmen lassen
  • 30 % Reserveplätze und Überspannungsschutz im Verteiler einplanen
  • Leerrohre für PV-Dach, Wallbox-Garage und LAN in jeden Raum verlegen
  • Stromkreisliste, Fotos und Prüfprotokoll für Versicherung archivieren

Kosten und Förderung 2026

Pauschale Quadratmeterpreise täuschen. Der Aufwand hängt von Leitungszustand, Schrankgröße und Putzarbeiten ab. Eine Komplett-Erneuerung mit neuem Zählerschrank liegt deutlich über einer Feininstallation.[2][4]

Rechnen Sie mit zwei Kostenblöcken:

  • Verteilung und Schutz: Zählerschrank nach TAB mit RFZ-Feld, RCDs und Überspannungsschutz[5][6]
  • Fläche: Leitungen, Dosen, Schalter und Wiederherstellung von Wänden und Böden[2][4]

Zur Förderung gilt: Programme von KfW und Land NRW ändern Konditionen laufend. Für 2026 prüfen Eigentümer KfW-Programme zum energieeffizienten Sanieren und das NRW-Programm progres.nrw für Klimaschutztechnik beim zuständigen Bewilligungsgeber, außerdem den Steuerabzug für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG über das Finanzamt.[5] Klären Sie vor Auftrag, welcher Elektroanteil förderfähig ist, und lassen Sie Angebote entsprechend aufschlüsseln.

Häufige Fragen zur Elektrosanierung

Ist das RFZ-Feld wirklich Pflicht?

Ja, im Westnetz-Gebiet fordert die TAB seit 2018 einen Zählerschrank mit RFZ-Feld.[5][6] Auch bei Sanierung verweigert der Netzbetreiber ohne dieses Feld die Inbetriebnahme oder verlangt Nachrüstung.

Darf ich Schalter selbst tauschen?

Nein. Nach § 13 NAV dürfen nur eingetragene Fachbetriebe an der elektrischen Anlage arbeiten.[2] Bereits das Öffnen des Verteilers ohne Qualifikation gefährdet Leben und Versicherungsschutz.[8]

Wie lange dauert die Sanierung?

Eine Teilsanierung mit neuem Verteiler dauert meist wenige Tage, eine Komplett-Erneuerung im bewohnten Einfamilienhaus ein bis drei Wochen zuzüglich Planung und Abstimmung mit Westnetz.[2][5] Leerrohre, Putz und Trocknung bestimmen den Zeitplan.

Friedrichs Elektrotechnik ist ein inhabergeführter Elektro-Meisterbetrieb aus Essen für das Ruhrgebiet und das Rheinland. Das Team führt Elektroinstallationen, Sicherheitsprüfungen, Photovoltaik-Anlagen, Wallbox-Installation, Wärmepumpen und Smart-Home-Lösungen direkt ohne Subunternehmer mit transparenter Projektplanung aus.

Fazit

Beauftragen Sie zuerst den E-Check mit Protokoll, danach Raumbuch und Schrankkonzept mit RFZ-Feld nach Westnetz-TAB. So vermeiden Sie Nachbesserungen und halten Versicherungsschutz und Zeitplan.

Offen bleibt, wie schnell Westnetz intelligente Messsysteme im Bestand ausrollt und welche Zusatztechnik das RFZ-Feld künftig aufnehmen muss. Wer Reserveplätze und Leerrohre heute einbaut, hält sich diese Option ohne erneuten Aufbruch offen.


Quellen

Michael Friedrichs

Michael Friedrichs

Inhaber von Friedrichs Elektrotechnik und Elektromeister. Michael plant und überwacht jede Installation persönlich.

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